Servicebeschreibung
Was lionbackup leistet – Architektur, Verschlüsselung, Speicherung und Lebenszyklus.
1. Überblick
lionbackup ist ein Cloud-Backup-Dienst für Unternehmen. Kundinnen und Kunden sichern Daten verschlüsselt über eine schlanke Client-Software in dedizierte, voneinander isolierte Speicherzonen. Die Verwaltung von Organisationen, Projekten, Zugriffstoken und Abrechnung erfolgt über ein Kundenportal. Der Dienst ist mandantenfähig und auf nachvollziehbare, souveräne Datenhaltung in Europa ausgelegt.
2. Zonenmodell: Backup-Zone und Storage-Zones
Die Plattform gliedert sich in eine zentrale Backup-Zone (BZ) und mehrere Storage-Zones (SZ):
- Die Backup-Zone betreibt die zentralen Dienste: Portal, Verwaltungs-API, Datenbanken, Nachrichtenwarteschlangen sowie Beobachtbarkeit (Monitoring/Logging). Pro Umgebung existiert sie genau einmal.
- Die Storage-Zones sind netzwerktechnisch voneinander isolierte Speichercluster – ggf. bei unterschiedlichen Providern und an unterschiedlichen Standorten. In jeder Storage-Zone nehmen die Citadels die verschlüsselten Backups entgegen.
Storage-Zones und Backup-Zone sind über verschlüsselte, gegenseitig authentisierte Verbindungen gekoppelt. Über diese Verbindungen laufen ausschließlich Verwaltungs- und Metadaten (z. B. Referenzdaten, Datei-Metadaten, Replikation); die eigentlichen Kunden-Uploads gehen direkt an die öffentlichen Endpunkte der Citadels und durchlaufen nicht die Backup-Zone.
3. Citadels: die Speicher-Endpunkte
Ein Citadel ist der kundenseitige Speicher-Endpunkt einer Storage-Zone. Er nimmt die verschlüsselten Datenobjekte über HTTPS entgegen, prüft Authentifizierung, Kontingente und Limits und legt die Objekte im zonenlokalen Speichersystem ab. Je Storage-Zone können mehrere Citadels betrieben werden; die Client-Software wählt einen verfügbaren Endpunkt aus und wechselt bei einer Störung während der Übertragung selbsttätig auf einen anderen.
4. Verschlüsselung
Die zu sichernden Daten können clientseitig Ende-zu-Ende verschlüsselt werden, bevor sie das System des Kunden verlassen. Die clientseitigen Schlüssel verbleiben ausschließlich beim Kunden; der Anbieter erhält diese Inhalte nur als Geheimtext. Ergänzend werden die Objekte serverseitig verschlüsselt abgelegt. Asymmetrische Verfahren ermöglichen es, Backups für einen Empfänger zu verschlüsseln, ohne dass dieser denselben geheimen Schlüssel besitzt.
Konkrete Algorithmen und Schlüssellängen sind im Sicherheitskonzept dokumentiert.
5. Unveränderbare, schreibgeschützte Ablage (WORN) und Vorhaltezeit
Backups werden für eine vom Kunden gewählte Vorhaltezeit (Standard: 30 Tage) aufbewahrt. Für entsprechend konfigurierte Projekte gilt das Prinzip WORN – „Write Once, Read Never“: Die Objekte werden genau einmal geschrieben und können während der Vorhaltezeit weder geändert noch gelöscht werden – die Unveränderbarkeit wird durch die Plattform sichergestellt; ein Schreib-Token kann bestehende Backups zudem nicht auslesen. Dies schützt Sicherungen vor versehentlichem oder böswilligem Löschen, etwa im Rahmen von Ransomware-Vorfällen. Für Wiederherstellungen dient ein separates Token mit Lese-Berechtigung.
6. Lebenszyklus eines Backups
Jedes gesicherte Objekt durchläuft einen klar definierten Lebenszyklus:
- gespeichert (stored) – das Objekt ist abgelegt und während der Vorhaltezeit geschützt;
- abgelaufen (expired) – die Vorhaltezeit ist erreicht; das Objekt ist zur Entfernung vorgesehen;
- gelöscht (deleted) – das Objekt wird als gelöscht markiert und aus dem aktiven Bestand entfernt;
- endgültig entfernt (purge) – die zugehörigen Daten werden unwiederbringlich aus dem Speicher beseitigt.
7. Replikation und Zonenisolation
Die Storage-Zones sind voneinander und von der Backup-Zone netzwerktechnisch getrennt (eigene private Subnetze, getrennte Provider/Projekte). Verwaltungs- und Metadaten werden über die verschlüsselten, gegenseitig authentisierten Verbindungen zwischen den Zonen synchronisiert. Fällt die Backup-Zone vorübergehend aus, können die Storage-Zones den Betrieb anhand zonenlokaler Daten fortführen.
8. Kundenportal: Organisationen, Projekte und Token
Das Portal ist die zentrale Verwaltungsoberfläche. Kunden legen Organisationen an und verwalten darunter Projekte. Der Zugriff wird über Rollen gesteuert (z. B. Inhaber, Administrator, Schreibend, Lesend, Abrechnung). Für die automatisierte Nutzung über die Client-Software werden projektbezogene Zugriffstoken ausgegeben. Die Anmeldung erfolgt über Single Sign-on mit verpflichtender Mehr-Faktor-Authentisierung (TOTP) über eine zentrale Identitätsplattform.
9. Anomalieerkennung
Sicherheitsrelevante Ereignisse der Citadels werden zentral ausgewertet. Eine automatisierte Anomalieerkennung erkennt u. a. die Verwendung von Token außerhalb des vorgesehenen Projekts, Hinweise auf nicht verschlüsselte Uploads (geringe Entropie) sowie statistische Ausreißer bei Volumen und Durchsatz. Auffälligkeiten werden als Hinweis im Portal angezeigt und können optional per E-Mail an angemeldete Empfänger zugestellt werden.
10. Client-Software
Die Sicherung erfolgt über eine schlanke, in Go geschriebene Client-Software, die als quelloffener Client bereitgestellt wird. Der Client komprimiert, verschlüsselt und überträgt die Daten an einen verfügbaren Citadel und unterstützt sowohl Linux als auch Windows. Vorgebaute Binärdateien stehen zum Download bereit; der Quellcode ist öffentlich einsehbar.
11. Standorte und Provider
Der Dienst wird in Rechenzentren in Europa betrieben. Derzeit verfügbar ist ausschließlich die Speicherzone de01-1 in Nürnberg, Deutschland (Rechenzentrums-Provider: Hetzner); weitere Zonen sind in Vorbereitung. Konkrete Standorte und Parameter fasst der Leistungsschein zusammen.